Im deutschen Paketmarkt bahnt sich ein neuer Preiswettbewerb an: Kannten die Preise wegen höherer Kosten für Diesel und Personal zuletzt nur die Richtung nach oben, so geht der Paketdienst Hermes jetzt einen anderen Weg und senkt das Porto.
Allerdings dürfte ein neuer Preiskampf noch andere Facetten haben: Im Versand von Paketen zu Privatadressen sind die Gewinnmargen niedrig, der Druck etwa auf die Bezahlung der Zustellfahrer ist groß. „Ich halte es für bedenklich, wenn Hermes jetzt den Preiswettbewerb verschärft, wenn gerade dieses Unternehmen doch wegen niedriger Bezahlung der Fahrer in der Kritik steht“, sagte der Postexperte Horst Manner-Romberg „Welt Online“.
Die Kosten der Produktion blieben gleich hoch, der neue Preis mache die Kostenrechnung noch schwieriger. „Hermes sendet damit ein falsches Signal“, sagte der Chef der gleichnamigen Beratungsfirma. Hermes wurde zuletzt in einer Fernsehsendung der ARD vorgeworfen, über Subunternehmer die Paketboten zu Stundenlöhnen von weniger als fünf Euro zu beschäftigen. Das Unternehmen selbst spricht von Einzelfällen.
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"Preiskrieg: Hermes bringt Päckchen günstiger als die Post"
"Geteiltes Porto beim Auslandsbrief"
Wie es gelegentlich im Geschäftsleben der Fall ist, gibt es auch im Postgeschäft Schlupflöcher, die zum Geldmachen locken. Die Verrechnungspreise zwischen einzelnen Ländern sind sehr unterschiedlich: Die Post in Tibet etwa bekommt für die Zustellung im Land vielleicht umgerechnet zehn Cent von einer ausländischen Post gutgeschrieben, in einem teuren Land sind es dagegen auch schon einmal 30 Cent. Dies nutzen Postgesellschaften aus und betreiben das "Postsäcke-Verschieben" : Sie lassen Auslandspost in ein billiges Post-Land fliegen, dort abstempeln und dann ins Bestimmungsland transportieren. Gemacht wird dies bei Geschäftspost und nach Vereinbarung mit Großkunden.
Die hohen Unterschiede der Verrechnungspreise zwischen den einzelnen Ländern machen dies zu einem Geschäftsmodell. "Der Weltpostverein will das seit Jahren ächten, findet aber keine Lösung dafür", sagt Postexperte Horst Manner-Romberg.
"Lohndrückerei - Paketbranche kämpft um ihr Image"
Schneider bestreitet nicht, dass es unter den 400 Subunternehmern mit gut 13 000 Zustellern auch im Auftrag von Hermes "schwarze Schafe" gibt. Er hat deshalb einen Verhaltenskodex entwickelt, auf den er die Subunternehmer verpflichtet. Ein Ombudsmann geht Beschwerden nach.
Doch damit ist es nach Ansicht von Fachleuten nicht getan. Zwar haftet Hermes nicht im rechtlichen Sinne für die Lohndrückerei bei seinen Subunternehmen, wie der Branchenexperte Horst Manner-Romberg erklärt. Die Otto-Tochter könne sich dennoch nicht aus der Verantwortung ziehen. "Gegenüber den Paketempfängern treten die Fahrer schließlich als Hermes-Repräsentanten auf", sagt er. Das Argument ist leicht nachvollziehbar: Auf den Lieferwagen steht das blaue Logo des Hamburger Paketdienstes, auf den Overalls ebenso.
Glaubwürdig wird der Kodex, so Manner-Romberg, erst, wenn ihn Hermes auch tatsächlich umsetzt. "Im Ernstfall müssen dann auch Kündigungen gegenüber Subunternehmern ausgesprochen werden", fordert er.
Ähnlich argumentiert auch der für die Paketbranche zuständige Verdi-Gewerkschafter Werner Schäffer. "Hermes verhält sich genauso gut oder schlecht wie andere Paketunternehmen wie DPD oder GLS in Deutschland auch", sagt er. Der Verhaltenskodex sei zwar "ein richtiger Ansatz", müsse aber konsequent durchgesetzt werden.
"TNT - Tour de Force"
Beobachter halten die schwierige Lage für hausgemacht. "Die Konzernspitze hat die Kontrolle in Brasilien jahrelang vernachlässigt", sagt Unternehmensberater Horst Manner-Romberg. Das Debakel stelle auch andere Landesgesellschaften infrage. Und während TNT bei Sendungen in die USA schwach sei und so Kunden verschrecke, sei das Unternehmen in Asien und Europa innerhalb nationaler Märkte mit niedrigen Margen zu stark engagiert. Anders die Deutsche-Post-Tochter DHL: Sie konzentriert sich inzwischen auf das einträgliche grenzüberschreitende Geschäft.
Immerhin, so Analysten, wird das Briefgeschäft noch jahrelang profitabel bleiben. Zudem habe Bakker die Sparte gut darauf vorbereitet, allein an der Börse zu bestehen: Im Heimatmarkt hat er einen drastischen Stellenabbau durchgesetzt. Im Ausland konzentriert sich die Briefzustellung auf große Märkte wie Deutschland.
Doch gerade für den deutschen Ableger TNT Post - mit vier Prozent Marktanteil größter Wettbewerber der Post - dürfte der Druck der Börse schnell spürbar werden. Der Briefdienst hat seit dem Start vor zehn Jahren nur Verluste eingefahren. Um zu überleben, hat er schon den Rückzug aus Metropolen wie Hamburg angetreten. Experte Manner-Romberg bezweifelt, dass das reicht: "TNT hat im internationalen Briefgeschäft nicht die nötigen Konsequenzen gezogen", sagt er. "Hier ist keine Vision drin."
"Hermes hat DPD einkassiert"
Online-Bestellungen von Privatkunden haben allerdings auch dem Marktführer deutliche Zuwächse beschert. Die Deutsche Post musste vor Weihnachten zum Teil das 2,5-Fache der normalen Paketmenge bewältigen. Das ging nur über Sonderschichten der Zusteller. "Sowohl Hermes als auch Deutsche Post haben ihre Marktanteile ausgebaut", sagt Post-Experte Horst Manner-Romberg. Positiv sieht der Berater auch die Ankündigung der Deutschen Post, den Kunden künftig einen Wunschtermin für die Auslieferung anzubieten. Ab Herbst sollen Kunden die Pakete zudem zu Wunschadressen umrouten können. "Ein Paukenschlag."
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