Einleitung

 
KEP- und Logistikdienstleistungen haben eine lange Tradition, als weltweite Märkte werden sie erst in den letzten
Jahren wahrgenommen, beobachtet und benannt. Dienstleistungen, Partner und Geschäftsfelder dieser neuen Märkte
sind oftmals nicht trennscharf zu definieren: Weltweit operierende Unternehmen sind in der Regel in mehreren
Geschäftsfeldern aktiv, und - wichtiger noch - viele der Begriffe sind gesetzlich nicht festgelegt und werden in
verschiedenen Ländern durchaus unterschiedlich verwendet.

Zum besseren Verständnis des komplexen Inhalts dieses Handbuchs stellen die Autoren im Folgenden ihre
Definitionen der Schlüsselbegriffe von KEP- und Logistikdienstleistungen vor bzw. machen länderspezifische
Unterschiede in der Verwendung dieser Begriffe deutlich.

Jeder kennt die in den Städten tätigen Kurierdienste, die per Fahrrad, Motorrad und Auto Direktfahrten durchführen
und Spezialdienste anbieten. Neben Stadtkurierdiensten gibt es auch national und international tätige Direktkuriere.
Gemeinsames Kennzeichen dieser Dienste ist die persönliche Begleitung der Sendung – eben durch den Kurier –
vom Versender bis zum Empfänger. Klein- und Mittelbetriebe prägen diesen Marktsektor. In verschiedenen Ländern
wird der Begriff Kurier allerdings auch für Firmen benutzt, die mit Blick auf die Marktabgrenzung originär dem
Expressbereich zuzurechnen sind.

Zum Segment der Expressdienste zählen auch Paketdienste und Expressfrachtservices. Im Gegensatz zum Kurier-
service werden Expresssendungen immer über ein Umschlagzentrum befördert. Am einfachsten lassen sich die
Services anhand der Lieferdauer bzw. Zustellzeiten beschreiben. Beim typischen Expressservice ist die Zustellung
innerhalb eines bestimmten Zeitraums garantiert: Wird sie bis spätestens 6 Uhr morgens des Folgetages zugesagt,
spricht man von Innight-Diensten, bei Overnight-Services wird die Sendung am Tag nach der Abholung bis 12, 10
oder 8 Uhr zugestellt und Deferred-Services bedeutet die garantierte Auslieferung ohne Zeitangabe für den Folgetag.

Charakteristisch für Paketservices ist im Unterschied zu Expressservices, dass die Zustellung innerhalb eines
Zeitraumes nicht garantiert, sondern lediglich Regellaufzeiten für die Auslieferung angegeben werden.

In der Regel gelten für Express-Sendungen Beschränkungen in Bezug auf ihre Größe und das Maximalgewicht.
Bei Paketdiensten sind diese Beschränkungen wesentlich ausgeprägter. Um eine zügige und gleichzeitig preis-
werte Beförderung zu ermöglichen, ist das Serviceangebot hochgradig standardisiert. Dies gilt sowohl für die
Größe als auch das Gewicht und den Umfang (Gurtmaß). Typische maximale Gewichtsgrenzen sind 20 kg,
31,5 kg und 70 kg.

Bei den sogenannten Expressfrachtservices handelt es sich um Dienste mit garantierter Zustellung innerhalb
eines bestimmten Zeitraums für hochgewichtige Sendungen. Dabei richten sich die maximal möglichen Transport-
gewichte nach den Möglichkeiten des Anbieters. In diesem Segment gibt es eine hohe Anbieteridentität mit dem
Speditionsmarkt.

Der traditionell wohl vertrauteste Begriff ist Post. In der Regel ist dieser Wortgebrauch sehr weit gefasst und
umfasst oftmals alle Aktivitäten, die eine Postgesellschaft ausübt. Dazu gehören neben der Briefbeförderung
der Transport von Paketen, Zahlungs- und Bankdienste und womöglich auch der Personentransport („Postbus“).
Allerdings unterscheidet sich der Begriff Post häufig von Land zu Land deutlich und ist in der Regel in einem
nationalen Postgesetz gesetzlich kodifiziert.

In diesem Buch wird unter Post der Teil des Transportmarktes verstanden, in dem schriftliche Versandstücke
unterschiedlicher Art befördert werden. Beförderungsgegenstände der Post sind damit

  1. Briefe und Postkarten, d. h. adressierte, individuelle schriftliche Kommunikation (Letters and Postcards).

  2. Adressierte Werbebriefe. Hierbei handelt es sich nicht um individualisierte Korrespondenz, sondern um
    Schriftstücke mit gleichem Inhalt, die an unterschiedliche Empfänger versandt werden (Adressed Direct Mail).

  3. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher (Periodicals).

  4. Nicht adressierte Werbebriefe. Darunter werden ebenfalls inhaltsgleiche Werbesendungen verstanden. Sie
    werden nicht an bestimmte einzelne Personen und Organisationen verschickt, sondern in bestimmten
    Regionen (z. B. Stadtteilen) verteilt.

  5. Päckchen (Packages). Damit sind kleine Pakete bis zu einem Gesamtgewicht von 2 kg gemeint.

Der Begriff der Logistik hat in den vergangenen Jahrzehnten eine steile Karriere hinter sich. Mittlerweile bezeichnen
sich weltweit immer mehr Unternehmen, die im Gütertransportbereich aktiv sind, als Logistiker. Die Logistikunternehmen
haben sich zumeist aus Speditionen entwickelt, die ihr Leistungsspektrum u. a. um Mehrwertdienste erweitert  haben.
Diese werden heutzutage oftmals auch mit dem Terminus Supply Chain Management (SCM) umschrieben.

  1. Spedition: Hierzu werden alle Unternehmen gezählt, die sich mit der Organisation und Durchführung von
    Transporten im Auftrag Dritter beschäftigen. Speditionen gibt es für land-, see- und luftgebundene Verkehre.
    Auch gibt es etliche Spezialunternehmen, beispielsweise für Gefahrgüter, Umzüge oder Textiltransporte. Die Überschneidungen der Aktivitäten von Speditionen sind fließend. So können Speditionen auch im Express-
    geschäft tätig sein, oder sie bieten ihren Kunden neben der Organisation und Durchführung von Transporten
    logistische Mehrwertdienste an.

  2. Supply Chain Management: Hierunter sollen Mehrwertdienste, d. h. alle Aktivitäten verstanden werden, die sich
    mit der ganzheitlichen Planung, Steuerung und Durchführung von komplexen Versorgungsketten zwischen Lieferanten,
    Produzenten, Handelsunternehmen und Konsumenten beschäftigen.


Statt einfacher Transporte werden beim Supply Chain Management ganze Prozessketten von Logistikern geplant,
gesteuert und nach unterschiedlichen Gesichtspunkten optimiert, angefangen bei der Rohstoffbeschaffung über
die einzelnen Verarbeitungsstufen bis hin zur Auslieferung der Endprodukte an die Kunden. Beispiele dafür sind die
Übernahme der kompletten Warendistribution von Konsumgütern im Einzelhandel und an Endkunden oder die
produktionssynchrone Anlieferung von Zulieferteilen in die Fertigungsstätten der Automobilindustrie.

Die Auslagerung (Outsourcing) bzw. Abgabe von Unternehmensaufgaben und -strukturen an Drittunternehmen gilt
als eine der entscheidenden Triebkräfte des starken Wachstums der Logistikmärkte. Beim Outsourcing handelt es sich
um eine spezielle Form des Fremdbezugs von bisher intern erbrachter Leistung. Der Gegenstand der Leistung und die
Dauer der Leistungserbringung werden durch Verträge festgelegt.